Als wir noch rauskamen …

„Was geht?“ Schlechte Frage. „Nichts geht“. Leider richtig. Alles ist plötzlich wieder anders, nichts geht mehr wie vor Tagen noch erhofft. Was damit machen? „Zuhause ist doch auch mal wieder schön“, klingt es einschmeichelnd durch meinen Kopf, aber echt gut klingt es nicht.

Machen wir uns nichts vor. Warum auch, die Lage ist doch ein-zwei-deutig. Das COVID-19 Virus hat Politik, Gesellschaft und Welt immer noch Griff. Schon wieder fast lähmende Stille allerorten. Und wieder trifft es – natürlich – die Kultur. Rausgehen ist nicht. „Kontaktsperre“ heißt das Wort der Stunde. Und so sitze ich also erneut hinterm Fenster und schaue auf die Welt da draußen. Natürlich nur im Ausschnitt. So wie beim Bahnfahren, im Wagon sitzend und durch die matten Scheiben die Landschaften erahnen. Ausschnittsweise, versteht sich.

Wie war das noch, als wir noch rauskamen, als wir noch flanieren gingen durch unser Quartier, als wir noch Hannah und Hugo trafen, als wir noch beim Bier sitzen durften am Thresen in unserer Bar, als wir noch „in echt“ sprachen, als wir noch dachten, alles bleibt gut oder zumindest „im Rahmen“.
Jetzt, da wir wissen, dass eben nicht alles gut geblieben ist, kommt uns womöglich auch der Gedanke, dass es eben auch gar nicht gut war, auf jeden Fall nicht alles. Wir ahnten, dass wir nicht ewig so leben können, immer nach vorne, immer alles aufbrauchen. Und wir hatten ja schon vor all der virulenten Zeit begonnen, uns Gedanken zu machen – wegen der ganzen Migrationsscheiße und natürlich unbedingt auch wegen des Klimas. Da wollten wir „jetzt aber echt“ ran und alles regeln. Und dann knallt uns wieder dieser beschissene Virus dazwischen, samt politischer Ehrgeizlinge und selbsternannter Experten – da geht dann natürlich nix mehr.
Ausgerechnet als der Frühling begann, ausgerechnet als der Sommer so verheißungsvoll daherkam, wo wir beim Anblick der wärmenden Sonne Pläne machten, wo wir über Ausflüge nachdachten, Ausflüge wie früher, mit Käsebroten und Rotwein … Scheiße.

Wandertag

Am Ende aßen wir Käsebrote
zum billigem Roten. In der Herberge,
die keine war. Auf brettharten Kissen
liegend sah ich das verblutete Reh
aufgebahrt unterm Wegkreuz. Vor mir
des Goldenen Hirschen Empfehlung: Wild.
Geschnetzelte Buchstaben. Suppe
war ausgegangen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert